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Dr. Stephan Werle
Facharzt für Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie des Bewegungsapparates

Osteoporose

Behandlung von Wirbelbrüchen bei Osteoporose

Bei Osteoporose können Wirbel bereits bei leichten Stürzen einbrechen. Bei deutlicher Knochenschwächung kann es auch ohne Unfall zum Beispiel beim Heben oder Niesen/Husten zu einem Wirbelbruch kommen.
Fast immer bricht dabei nur der vordere Wirbelanteil, also der Wirbelkörper ein. Gefahr für Rückenmark oder Nervenwurzeln besteht dabei anfangs meist nicht.

Die Häufigkeit osteoporotischer Veränderungen am Skelett und an der Wirbelsäule insbesondere hat durch intensive Forschung zur Entwicklung von Behandlungskonzepten geführt.

Inzwischen besteht die Möglichkeit, sich bei der Behandlung der Osteoporose und deren Folgen an Leitlinien zu orientieren:
http://www.dv-osteologie.org/dvo_leitlinien/osteoporose-leitlinie-2014

Zur nicht-operativen Behandlung von osteoporotischen Wirbelbrüchen verwendet man aufrichtende Orthesen, wie ein Korsett, das als „Gedächtnis“-Stütze dient. Das Ziel ist, die Belastung auf den gebrochenen Wirbel zu vermindern, indem vornübergeneigtes Stehen und Sitzen sowie Rumpfbeugungen vermieden werden.

Um der nicht-operativen Therapie von Wirbelfrakturen einen Stellenwert einzuräumen, wurde in früheren Leitlinien eine nicht-operative Behandlung für mindestens 3 Wochen empfohlen.

In der Praxis hat sich dieses Vorgehen nicht durchgesetzt, so dass man auf diese Empfehlungen inzwischen verzichtet hat.

Bei der Entscheidung, ob eine operative Stabilisierung in Frage kommt, muss abgeschätzt werden, wie hoch das Risiko für eine weitere Verformung des Wirbels ist.

Dabei sprechen folgende Kriterien für eine operative Behandlung:
  • Fehlende Unfallursache
  • Anhaltende Schmerzen unter Belastung (Sitzen, Stehen)
  • Niedriger Wert der Knochendichtemessung
  • Bestehende Fehlstellungen im betreffenden Abschnitt der Wirbelsäule
Letztlich können diese Kriterien Anhaltspunkte geben. Das Ziel der Behandlung muss immer die Vermeidung einer deutlichen Fehlstellung eines Wirbelsäulenbereichs durch die Wirbelverformung sein.
Folge dieser Fehlstellungen können schmerzhafte Fehlbelastungen von Gelenken anderer Wirbelsäulenabschnitte oder eine verstärkte Belastung von osteoporotischen Nachbarwirbeln durch Verlagerungen der Schwerpunkte sein. Bei ausgeprägten Fehlstellungen kann es zu Einengungen des Spinalkanals kommen.

Zur operativen Behandlung steht die Stabilisierung des Wirbelkörpers mit Knochen-Zement zur Verfügung. Dieser kann über Hohlnadeln von hinten in den Wirbel eingebracht werden. Unter Röntgenkontrolle kann man die Verteilung des kontrastmittelhaltigen Zements während der Operation verfolgen.
Mit speziellen Verfahren gelingt es bei Bedarf, frisch verletzte Wirbel, die deutlich eingesunken sind, wieder aufzurichten.



Die Befürchtung, durch das Einbringen von Zement in einen Wirbel könne es zu Brüchen von Nachbarwirbeln kommen, hat sich in wissenschaftlichen Untersuchungen bisher nicht generell bestätigt. Vielmehr scheint das auftreten von erneuten Brüchen von der Knochenstoffwechsel-Funktion und damit von der Ausprägung der Osteoporose abzuhängen.

Bei fortgeschrittenen osteoporotischen Veränderungen mit Verformung des Wirbels und eventuell bestehender Einengung des Spinalkanals ist bei entsprechenden Beschwerden unter Umständen eine Entfernung des Wirbels und zusätzliche Stabilisierung mit Implantaten (Schrauben-Stab-Verbindungen) nötig.

Im Gegensatz dazu ist die Zement-Stabilisierung ein sehr wenig invasives, wenig belastendes Verfahren, welches auch bei Vorliegen einer Reihe von Begleiterkrankungen durchgeführt werden kann.
wirbelsäule
Fraktur