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Dr. Stephan Werle
Facharzt für Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie des Bewegungsapparates

Schwindel und Halswirbelsäule

Schwindel ist ein neurologisches Symptom unterschiedlicher Erkrankungen.

Schwindel entsteht, wenn die vom Gleichgewichtsorgan, dem visuellen System und von den Strukturen des Bewegungsapparates eingehenden Informationen zueinander im Widerspruch stehen.

Häufigste Ursachen sind Veränderungen des Gleichgewichtsorgans im Innenohr oder der damit in Verbindung stehenden Anteile des Nervensystems. Dazu gehören der sogenannte benigne paroxysmale Lagerungsschwindel, der zentrale vestibuläre Schwindel, die Neuritis vestibularis oder der Morbus Menière.

Patienten mit verschleissbedingten Veränderungen der Halswirbelsäule beklagen neben typischen Beschwerden wie Schmerzen, Gefühlsstörungen gelegentlich auch seltenere Symptome wie Kopfschmerzen oder Schwindel. Mit Rückgang der Schmerzen lassen unter der Behandlung meist auch die Schwindel-Beschwerden nach.

Über die Ursache des Symptoms Schwindel bei Funktionsveränderungen und Verschleiss der Halswirbelsäule weiss man bisher nur wenig.

Ein Teil der Blutgefässe zur Hirnversorgung verlaufen an der Halswirbelsäule durch Engstellen. Verschleiss kann in diesen Bereichen zu Einengungen der Arterien führen mit der Folge der Minderdurchblutung des Gewebes in Hirnstamm und Kleinhirn. Das Gleiche geschieht, wenn die Verbindung von Wirbeln ihre Stabilität verliert und es zu übermässigen Verschiebungen in diesen Segmenten kommt. Häufige Ursachen sind Verschleiss, Unfälle mit Zerreissung stabilisierender Wirbelverbindungen oder die Schädigungen durch Rheumatoidarthritis. Gefärdet ist der obere Bereich der Halswirbelsäule mit dem Übergang zum Kopf. 

Schwindel kann entstehen, wenn es durch Einengungen von Arterien zu einer Minderdurchblutung von Hirnanteilen kommt.

Die Symptome treten dann in der Regel bei bestimmten Positionen des Kopfes wie seitlichem Drehen oder Neigen nach hinten auf.
Der Nachweis dieser Gefässeinengungen ist schwierig. Untersuchungen der Gefässe mit Computertomographie oder Magnetresonanztomographie erfolgen in der Regel in neutraler Kopfposition. Der Nachweis dieser Einengungen kann gelingen, indem man die Untersuchungen in den Positionen des Kopfes durchführt, die entsprechende Symptome auslösen. Darüber hinaus können auch spezielle Röntgenaufnahmen einen Hinweis geben.

Die ursächliche Behandlung besteht in der Beseitigung der Einengung bzw. Stabilisierung bei einer Instabilität des betroffenen Wirbelsäulensegments. Alternativen können in leichten Fällen die Vermeidung der auslösenden Kopfpositionen oder die Verbesserung des Blutflusses mit „blutverdünnenden“ Medikamenten sein.

Nicht geklärt ist, warum es auch ohne vorliegende Gefässeinengungen bei Degeneration oder Funktionsstörungen der Halswirbelsäule zu Schwindel kommen kann.

Eine mögliche Erklärung sind Vorgänge nach dem sogenannten „Reafferenzmodell“. Dabei führt die Funktionsstörung zu Veränderungen in den Zwischenwirbelstrukturen, also Bandscheiben, Gelenk- und Bandverbindungen und der Muskulatur. Das verändert die Signale von Nervenrezeptoren aus diesen Gewebsanteilen, die das Hirn über die Stellung dieser Anteile des Bewegungsapparates informieren. Das führt zu einem Missverhältnis zwischen den in den informationsverarbeitenden Zentren erwarteten und den tatsächlich ankommenden Informationen. 
Es entsteht Schwindel.

Die Abklärung des Symptoms Schwindel erfordert in der Regel eine Beurteilung durch Neurologen, Ohren-Nasen-Hals-Facharzt und bei Begleitsymptomen im Bereich der Halswirbelsäule auch des Orthopäden.

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wirbelsäule